Menü

Wie wir die Welt sehen variiert je nach Sprache, die wir sprechen

Eine neue Studie zeigt, dass sich unsere Denkweise verändert je nach Sprache, die wir anwenden.

Wenn man eine andere Sprache, als die Muttersprache, spricht, hat man oft das Gefühl, dass das Verhalten sich leicht verändert, dass man sich ein bisschen anders anstellt und reagiert, so als ob man neue Facetten der eigenen Persönlichkeit entdecken würde. Eine kürzlich veröffentliche Studie, die in Psychological Science publiziert wurde, beschreibt wie Sprachen Leute beeinflusst. Der Fokus der Studie fällt speziell auf die Effekte, die es auf die Denkweise haben kann.

Die Studie wurde von 7 Forschern gemacht, unter ihnen der Linguistik-Professor Panos Athanasopoulus, bevor sie von Mashable veröffentlich wurde. Die Studie basiert auf verschiedenen Experimenten, die den Forschern erlaubt hat verschiedene Gruppen, die verschiedene Sprachen sprechen, und deren Sichtweise zu vergleichen. Einige von ihnen sprachen nur Deutsch, andere nur Englisch und andere waren zweisprachig.

Enthüllende Vergleiche

In einem der Experimente, wurde den Testpersonen ein Video gezeigt von Leuten in Bewegung. Zum Beispiel, ein Mann, der sich in Richtung eines Lebensmittelgeschäfts mit dem Fahrrad bewegt oder eine Frau, die zu einem Auto läuft. Als die englischsprechenden Testpersonen, die keine zweite Sprache sprechen, gefragt wurden was sie gesehen hatten, antworteten die meisten: „a man cycling“ und „a woman walking“, ohne das Lebensmittelgeschäft oder das Auto zu erwähnen.

Auf der anderen Seite, die nur Deutschsprechenden haben oftmals mit „ein Mann, der zum Laden fährt“ oder „eine Frau, die zu ihrem Auto läuft“ geantwortet. Die Autoren der Studie erklären sich das mit dem Argument, dass die Wahrnehmung der Deutschen ganzheitlich ist. Sie nehmen die Umgebung wahr in welcher die Aktion stattfindet. Die Englischsprechenden, im Vergleich, tendieren dazu sich nur auf die Aktion zu fokussieren.

Gemäß den Forschern kommen diese Differenzen vor, weil die zwei Sprachen verschiedene Grammatiken haben. Im Englischen betont man Aktionen mit dem hinzufügen von ‘-ing‘ am Ende des Verbes (z.B. ‘walking‘ und ‘to ride a bike‘). Die deutsche Sprache funktioniert aber nicht so.

Bilingualismus: zwei Systeme

Ein ähnliches Experiment wurde mit zweisprachigen (Deutsch/ Englisch) Leuten gemacht. Sie mussten das gleiche Video schauen und währenddessen Zahlenfolgen laut aufsagen. Der Effekt, der das hatte, war überraschend. Unterbewusst wurde eine Sprache angewendet und die andere setzte sich im Kopf der Testperson durch, in welcher diese dann dachte.

In anderen Worten, wenn die Testpersonen die Zahlen automatisch auf Englisch aufgesagt haben, dachten sie auf Deutsch und somit mit der ganzheitlichen Auffassung. Und andersrum genauso. Das ist auch der Grund dafür, dass wenn die Testperson die Zahlen erst auf Deutsch aufgesagt haben und dann auf Englisch, dass man da eine Veränderung in der Interpretation bemerken könnte.

Und zum Schluss, wurde eine Gruppe von Deutschen, bilingual in Englisch, in zwei Situationen analysiert. In der ersten Situation mussten sie Deutsch in ihrem eigenen Land sprechen. Logischerweise haben sie auf eine ganzheitliche Weise gedenkt. Auf der anderen Seite, als sie im Vereinigten Königreich waren und sie Englisch sprechen mussten, hatten sie eine ähnliche Denkweise wie die Anglophonen. Sie haben eher auf die Aktion und nicht auf den Kontext geachtet.

Manipulation durch die Sprache

Zu sehen wie die Sprache, die Gedanken beeinflussen kann, erinnert an das ‘Newspeak‘ Konzept von George Orwell in ‘1984‘. In der Tat ist es so, dass das Fehlen an Wortschatz, eine Einschränkung beim Ausdrücken darstellt. Viele Wortkonzepte erlauben es uns die Welt besser zu verstehen, die uns umgibt. Sie zu unterdrücken ist deshalb eine Limitation der kritischen Fähigkeiten des Menschen.

Allerdings kann ein ‘Newspeak‘ Leute auch dazu bringen auf eine vorgegebene Weise zu denken. Aus diesem Grund haben die Nazis ihre eigene Sprache umformuliert, wie Victor Klemperer in seinem Buch ‘LTI Lingua Tertii Imperii, the language of the Third Reich‘ analysiert hat. Er erklärt, zum Beispiel, dass oft das Präfix ‘Volk‘ verwendet wurde, um dieses in den Glauben zu versetzen sie würde ihnen dienen.

Florian Ravaux
Als gebürtiger Bretone befürchtet Monsieur Ravaux vor allem eines: dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Florian Ravaux, 1983 in Rennes geboren, studierte Rechtswissenschaften in Frankreich an der Universität Rennes 1 und in Deutschland an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während seines Studiums spezialisierte er sich auf europäisches Recht. Darüber hinaus erwarb er in Partnerschaft mit Sciences-po Straßburg einen Master-Abschluss in Wissenschaftspolitik am Institut des Hautes Etudes Européennes in Straßburg.
Berlin Translate Das Übersetzungsbüro in Berlin: beglaubigte Übersetzung & Fachübersetzung Anonym hat 4,91 von 5 Sternen 410 Bewertungen auf ProvenExpert.com