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Dolmetscher vor Gericht

Wir erfahren die voranschreitende Globalisierung mittlerweile in praktisch allen Bereichen und Lebenslagen. Auch das Gericht stellt hier keine Ausnahme dar. Ob Asylrecht, Familienrecht oder Wirtschaftsrecht – die Justiz ist schon längst in vielen Bereichen auf Sprachmittler angewiesen. Gerichtsdolmetscher spielen in Verhandlungen eine zunehmend wichtigere Rolle, die auch mit einer großen Verantwortung einhergeht.

Wann hat man Anspruch auf einen Gerichtsdolmetscher und was ist sein Auftrag?

Laut Grundgesetz hat in Deutschland vor Gericht jeder Anspruch auf rechtliches Gehör. Wenn ein Prozessbeteiligter die jeweilige Gerichtssprache gar nicht oder nicht ausreichend beherrscht, wird ein Gerichtsdolmetscher hinzugezogen, um die Rechte der betroffenen Personen zu wahren. Sie übertragen nicht nur das gesprochene Wort in den Verhandlungen in die jeweilige Sprache, sondern unter Umständen auch Texte, die für die Verhandlung wichtig sind. Zudem verpflichten sie sich vorab zur Verschwiegenheit.

Wer darf vor Gericht dolmetschen und wer trägt die Kosten?

Grundsätzlich dürfen nur Gerichtsdolmetscher, auch vereidigte Dolmetscher, die Sprachmittlung vor Gericht übernehmen. Das heißt, dass sie zuvor den allgemeinen Eid abgelegt haben, Inhalte stets treu und gewissenhaft zu übertragen. Meist bestellt das Gericht selbständige Dolmetscher, die in einer entsprechenden Datenbank hinterlegt sind. Die Wahl obliegt letztendlich dem Richter, wen er für geeignet hält. Da in Deutschland niemand wegen seiner Sprache benachteiligt werden darf, übernimmt in der Regel der Staat die anfallenden Kosten.

Welche Besonderheiten und Herausforderungen gibt es für Dolmetscher vor Gericht?

  • Als Gerichtsdolmetscher reicht es nicht aus, die Zielsprache perfekt zu beherrschen. Man muss zudem auch in juristischen Angelegenheiten sattelfest sein, um verlustfrei übersetzen zu können.
  • Andere Länder, andere Sitten – manche Begriffe und Gesetze des deutschen Rechtssystems unterscheiden sich von denen anderer Länder. Hier muss man besonders darauf achten, dass betroffene Personen die Bedeutung sowie mögliche Konsequenzen hinter den Wörtern verstehen. 
  • Die meisten Gerichtsdolmetscher spezialisieren sich auf einen Fachbereich, wie z.B. Asylrecht oder Wirtschaftsrecht, um genug Hintergrundwissen zu haben.
  • In einem Prozess kann es um viel gehen. Als Dolmetscher muss man sich hier seiner Verantwortung bewusst sein und besonders auf die Details achten. Fahrlässigkeit kann für betroffene Prozessbeteiligte unter Umständen schwere Folgen haben.
Florian Ravaux
Als gebürtiger Bretone befürchtet Monsieur Ravaux vor allem eines: dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Florian Ravaux, 1983 in Rennes geboren, studierte Rechtswissenschaften in Frankreich an der Universität Rennes 1 und in Deutschland an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während seines Studiums spezialisierte er sich auf europäisches Recht. Darüber hinaus erwarb er in Partnerschaft mit Sciences-po Straßburg einen Master-Abschluss in Wissenschaftspolitik am Institut des Hautes Etudes Européennes in Straßburg.
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