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Heimweh im Ausland – was tun?

Wenn der Traum vom Ausland plötzlich zum Albtraum wird, weil man nur noch nach Hause möchte. Man hat sich so lange auf die Zeit in der Ferne gefreut, weit weg von Allem. Ein lang ersehnter Urlaub – oder ein gut überlegter Neuanfang mit einem Job in einem anderen Land. Und dann droht ein Gefühl, alles kaputt zu machen. Heimweh im Ausland – was tun?

Was ist eigentlich Heimweh?

Um mit Heimweh umzugehen, kann es schon helfen, zu wissen, woher dieses Gefühl eigentlich kommt. Denn eigentlich kann es durchaus etwas Positives sein, auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlt. Wer Heimweh hat, sehnt sich – oftmals sogar etwas verklärt – nach seiner Heimat. Diese „Heimat“ kann ein bestimmter Ort sein oder auch bestimmte Personen wie Familie und Freunde oder ein bestimmtes Gefühl. Es meint etwas Vertrautes, etwas, wo man sich Zuhause, geborgen, sicher und zugehörig fühlt. Das Bestimmen dieser Heimat hilft, sich selbst zu verstehen und zu finden. Was ist einem wichtig? Wo gehört man hin? Was will man eigentlich? Man vermisst die Heimat, die plötzlich nicht mehr da ist. Weil plötzlich alles anders ist. Weil man woanders ist. Heimweh hilft, Antworten auf diese Fragen zu finden. Und genau dadurch kann man auch etwas dagegen unternehmen, indem man das Wesentliche auch in der Fremde sucht.

Heimweh im Ausland – was tun?

Was kann man gegen Heimweh im Ausland tun?

Manchen hilft es, besonders viel mit den Menschen daheim in Kontakt zu sein, sich ihnen nahe zu fühlen: Chatten, Telefonieren, Skypen. Vielleicht wollen die alten Freunde auch zu Besuch kommen und gemeinsam die Fremde erkunden. So kann die alte Heimat in den Jetzt-Ort integriert werden und es fällt vielleicht etwas leichter, die neue Heimat zu akzeptieren. Andere dagegen bevorzugen das Gegenteil: den Kontakt zur alten Heimat zu reduzieren und sich ganz auf den Jetzt-Ort konzentrieren, um diesen als neue Heimat verstehen zu können.

Genauso kann man es mit kleinen Erinnerungsstücken machen, die einen an die alte Heimat erinnern, vielleicht ein Plüschtier oder Fotos, die etwas Vertrautes mit in die fremde Umgebung bringen. Man kann damit sein Zimmer zu etwas Eigenem machen und einen neuen Rückzugsort schaffen, an dem man sich sicher fühlt. So wird das Fremdsein weniger bedrückend. Es ist durchaus erlaubt und auch wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Man sollte dabei jedoch vorsichtig sein und sich auch nicht zu sehr verkriechen.

Gleichzeitig kann es aber auch helfen, nach vorn zu blicken und sich ganz in das neue Abenteuer zu stürzen. Möglichst viel zu unternehmen hilft, die neue Umgebung besser kennenzulernen und sich dort Stück für Stück heimischer zu fühlen. Außerdem tut die Ablenkung von trüben Gedanken gut. Häufig lassen sich Gleichgesinnte finden, die das Gefühl von Heimweh im Ausland teilen, weil sie selbst gerade der Heimat fern sind. Nicht nur gemeinsame Unternehmungen, sondern auch der Austausch mit ihnen kann helfen, das Leid zu teilen und sich weniger allein zu fühlen. Wichtig ist aber auch, Freunde zu finden, die mit dem Land vertraut sind und die helfen, es besser kennenzulernen. Hierfür eignen sich zum Beispiel alte und neue Hobbies.

Zum Eingewöhnen in das neue Umfeld kann es auch helfen, eine feste Routine zu haben. Dies schafft ein Gefühl des Alltags und hilft dabei, sich heimischer zu fühlen. Es können auch alte Gewohnheiten sein, die nun in das neue Umfeld integriert werden.

Heimweh im Ausland ist kein Weltuntergang

Allgemein ist es wichtig, das Gefühl des Heimwehs zu akzeptieren. Es ist nichts Schlechtes oder Verwerfliches daran. Man kann und sollte mit anderen darüber sprechen, egal, ob alte oder neue Freunde, ob mit der Gastfamilie oder vielleicht in einem Blog. Es hilft auch, sich Negatives von der Seele zu schreiben und gleichzeitig aber auch positive Erlebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen, um ihnen mehr Gewicht zu geben und sich dem Jetzt-Ort anzunähern. Und notfalls gibt es noch die kleinen Glücksmomente durch Schokolade, die helfen können, sich besser zu fühlen – oder auch ein Stück Heimat zu sein, wenn man sie mitbringt. In jedem Fall heißt es: Durchhalten. Das Heimweh-Gefühl geht vorbei.

Florian Ravaux
Als gebürtiger Bretone befürchtet Monsieur Ravaux vor allem eines: dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Florian Ravaux, 1983 in Rennes geboren, studierte Rechtswissenschaften in Frankreich an der Universität Rennes 1 und in Deutschland an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während seines Studiums spezialisierte er sich auf europäisches Recht. Darüber hinaus erwarb er in Partnerschaft mit Sciences-po Straßburg einen Master-Abschluss in Wissenschaftspolitik am Institut des Hautes Etudes Européennes in Straßburg.
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