Deutschland: Sonntag steht die Bundestagswahl in Deutschland an

Deutschland: Sonntag steht die Bundestagswahl in Deutschland an

Eine Woche vor der Wahl steckt die SPD um Martin Schulz tief in der Krise 

Sonntag steht die Bundestagswahl in Deutschland an und noch einmal sinken die Umfragewerte der Partei und ihres Kanzlerkandidaten. Bei nur noch geringen Erfolgsaussichten auf den Wahlsieg ist die Partei nun auch noch kurz davor, sich im Moment der Entscheidung für oder gegen eine Weiterführung der Großen Koalition mit der CDU unter Angela Merkel, die wohl an der Macht bleiben wird, noch mehr zu spalten.

à Deutschland: eine Woche vor der Wahl steckt die SPD um Martin Schulz tief in der Krise

Ralf hat seinen kleinen Stand aufgebaut. Ein weißer Standtisch, ein roter Schirm mit SPD-Aufdruck, einige Broschüren… Eine Woche vor den Wahlen versucht er, die letzten Unentschlossenen – fast 16 Millionen Deutsche, etwa 26% der 61 Millionen Wahlberechtigten, laut den letzten Umfragen – zu mobilisieren, am Rand des Wochenmarkts am Winterfeldtplatz im Stadtzentrum Berlins. An diesem Samstag sind, mit Ausnahme der populistischen AfD, alle kandidierenden Parteien auf dem Markt vertreten. Ralf, ein Mittfünfziger mit schmaler Brille und schütterem Haar, steht gemütlich in seinen alten Birkenstocksandalen und gesteht mit erschöpftem Blick „nicht mehr wirklich dran zu glauben“. Fakt ist, dass die Sozialdemokraten nur bei einem Anteil von 20% der Wählerstimmen liegen. Die SPD, älteste Partei Deutschlands, die Anfang des Jahres noch mit der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ein Umfragehoch erzielte, durchlebt momentan eine der schwierigsten Phasen ihres Bestehens.

„Lorbeeren“

Ein kleiner Rückblick. Anfang 2017 verzichtete der Parteichef der SPD, Sigmar Gabriel, zur allgemeinen Überraschung auf die Kandidatur gegen Angela Merkel zugunsten des ehemaligen Präsidenten des Europaparlaments, der in Deutschland fast unbekannt war. Es entwickelte sich daraufhin ein Schulz-Hype im Land. Doch die Euphorie hielt kaum mehr als zweieinhalb Monate. Ihr jähes Ende fand sie durch mehrere derbe Niederlagen bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und vor allem in Nordrhein-Westfahlen, eigentlich eine Hochburg der SPD. „Leider hat Schulz nach diesen Rückschlägen weder seine Wahlkampfreden noch seine Kampagne groß verändert“, stellt Siegfried Heimann mit Bedauern fest. Der Historiker und Politikwissenschaftler ist selbst Parteimitglied. „Sein Wahlkampfteam hat sich als unfähig erwiesen, die Situation richtig zu analysieren und die Strategie dementsprechend anzupassen. Seit er Kanzlerkandidat ist, tut er nichts weiter als zu wiederholen, dass er Kanzler werden will, dass er gewinnen wird, dass die SPD am Tag nach der Wahl die stärkste politische Kraft im Land sein wird… Natürlich sind Umfragen keine exakte Wissenschaft, aber dass er seit Juni einfach immer wieder dieselben Reden hält, während die Partei seit Monaten immer mehr Punkte in den Meinungsumfragen verliert, das ist unverständlich!“.

Schlecht beraten, leidet Martin Schulz unter dem sogenannten GroKo-Effekt, kurz für „Große Koalition“, in der die SPD seit 2013 mit der konservativen CDU um Angela Merkel regiert. „Die sozialdemokratischen Minister haben gute Arbeit geleistet, haben alte Forderung der sozialen Demokratie, wie den Mindestlohn, durchgebracht“, erinnert Siegfried Heimann. „Aber am Ende war es die Kanzlerin, die sich dafür den Lorbeeren aufgesetzt hat“. Weil seine Partei mitregiert, konnte der Kandidat der SPD niemals einen wirklichen Frontalangriff auf die Politik seiner Rivalin ansetzen. Und war so auch nicht in der Lage, während des einzigen TV-Duells gegen Merkel Ende August herauszustechen; ein Duell, das eher einer partnerschaftlichen Unterhaltung glich.

 

Leave a Reply Text

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.